Blog – News und Tipps zur Unfallschadenregulierung

Kann KI ReFa?

Warum ich einen digitalen Co-Piloten für die Unfallschadenregulierung entwickle

In den vergangenen Monaten habe ich mich immer wieder mit einer Frage beschäftigt:

Wie könnte ein digitales Werkzeug aussehen, das nicht versucht, eine Rechtsanwaltsfachangestellte zu ersetzen, sondern tatsächlich so arbeitet, dass es sie im Kanzleialltag unterstützt?

Aus dieser Frage ist nach und nach eine Idee entstanden, die inzwischen sehr viel größer geworden ist, als ich ursprünglich gedacht hatte:

der ReFa Co-Pilot.

Noch ist er ein Entwicklungsprojekt. Und nein, an dieser Stelle gibt es deshalb auch noch keine große Produktvorstellung.

Aber ich möchte ein bisschen darüber erzählen, warum ich überhaupt angefangen habe, daran zu arbeiten.

Software kann viel. Aber versteht sie unseren Arbeitsalltag?

In der Unfallschadenregulierung begegnen mir immer wieder dieselben Abläufe und trotzdem ist keine Akte gleich.

Ein neuer Verkehrsunfall kommt herein. Die ersten Unterlagen müssen geprüft werden. Es geht um Haftung und Haftungsquote, Reparaturkosten oder Totalschaden, Nutzungsausfall oder Mietwagenkosten, Wertminderung, Sachverständigenkosten und vielleicht auch Personenschäden.

Später kommt die Abrechnung der Versicherung.

Und dann beginnt nicht selten die nächste Runde:

Was wurde bezahlt? Was wurde gekürzt? Welche Schadensposition fehlt vollständig? Ist die Kürzung nachvollziehbar? Welche Unterlagen fehlen noch?

Natürlich gibt es Kanzleisoftware, Tabellen, Textbausteine, Berechnungsprogramme und inzwischen auch KI.

Aber mir fehlte etwas anderes:

ein Werkzeug, das den gesamten Vorgang aus Sicht der praktischen Sachbearbeitung denkt.

Nicht ersetzen. Mitdenken.

Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ weckt schnell die Vorstellung, dass ein System irgendwann die Arbeit eines Menschen übernehmen soll.

Genau darum geht es mir beim ReFa Co-Piloten nicht.

Ich möchte kein System entwickeln, das selbstständig eine Unfallakte „entscheidet“.

Ich möchte ein Werkzeug, das strukturiert.

Das auf fehlende Angaben aufmerksam macht.

Das Zusammenhänge sichtbar macht.

Das bei wiederkehrenden Arbeitsschritten unterstützt.

Und das der Fachkraft dabei hilft, sich auf das zu konzentrieren, wofür Erfahrung tatsächlich gebraucht wird.

Denn eine gute Sachbearbeitung besteht eben nicht daraus, möglichst schnell möglichst viele Daten in eine Maske einzutragen.

Sie besteht auch darin, zu merken:

Hier stimmt etwas nicht.

Was müsste ein solcher Co-Pilot eigentlich können?

Diese Frage war der Ausgangspunkt.

Und je länger ich darüber nachgedacht habe, desto länger wurde die Liste.

Eine neue Akte strukturiert aufnehmen. Den Unfallhergang erfassen. Besonderheiten erkennen. Schadenspositionen zusammenführen. Bei einem Totalschaden andere Fragen stellen als bei einem Reparaturschaden. Personenschäden gesondert betrachten. Zahlungen und Kürzungen gegenüberstellen.

Und irgendwann soll daraus ein Gesamtbild der Akte entstehen.

Nicht nur eine Sammlung einzelner Datenfelder.

Sondern ein System, das versteht, an welcher Stelle der Schadenregulierung wir uns gerade befinden und was als Nächstes relevant werden könnte.

Genau darin liegt für mich der Unterschied zwischen einem weiteren Formular und einem echten digitalen Assistenten.

Und natürlich kommt irgendwann KI ins Spiel

Wer heute über einen digitalen Co-Piloten spricht, kommt an KI kaum vorbei.

Aber gerade in einer Rechtsanwaltskanzlei darf die Frage nicht lauten:

„Was kann KI alles?“

Die wichtigere Frage lautet:

„Was darf und sollte sie überhaupt tun?“

Mandantendaten sind keine Spielwiese für neue Technik. Datenschutz, Vertraulichkeit und Kontrolle müssen von Anfang an Teil des Konzepts sein, nicht erst dann, wenn das Programm irgendwann fertig ist.

Deshalb beschäftige ich mich bei diesem Projekt mindestens genauso intensiv mit Grenzen und Sicherheitsfragen wie mit neuen Funktionen.

Und eines steht für mich fest:

Die Entscheidung bleibt beim Menschen.

Das Fachwissen steckt nicht im schönsten Button

Bei der Entwicklung habe ich noch etwas festgestellt.

Die eigentliche Herausforderung ist gar nicht unbedingt, eine hübsche Oberfläche zu bauen.

Schwierig wird es bei den Fragen dahinter.

Wann liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor? Welche Angaben brauche ich für die weitere Bearbeitung? Was ändert sich bei gewerblicher Nutzung? Wie gehe ich mit einer Haftungsquote um? Welche Schadenspositionen hängen voneinander ab? Wann fehlen Informationen, ohne die ich sinnvoll gar nicht weiterarbeiten kann?

Plötzlich muss Wissen, das man nach vielen Jahren Berufserfahrung oftmals beinahe automatisch anwendet, in klare Regeln und Abläufe übersetzt werden.

Und das ist unglaublich spannend.

Denn dabei merkt man erst einmal, wie viel Wissen eigentlich in professioneller ReFa-Arbeit steckt.

Ein Projekt aus der Praxis

Der ReFa Co-Pilot ist noch nicht fertig.

Es wird getestet, verworfen, geändert und wieder neu gedacht. Manchmal funktioniert etwas genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Und manchmal merke ich nach Stunden:

Das war eine ziemlich gute Idee, nur leider funktioniert sie in einer echten Unfallakte überhaupt nicht.

Aber genau deshalb möchte ich das Projekt weiterentwickeln.

Nicht, weil ich glaube, dass Technik irgendwann die erfahrene ReFa überflüssig macht.

Sondern weil ich vom Gegenteil überzeugt bin:

Je besser die Technik wird, desto wichtiger wird der Mensch, der weiß, was sie eigentlich tun soll.

Und vielleicht ist genau das die Zukunft unseres Berufs.

Nicht Mensch oder Maschine.

Sondern Fachwissen, Erfahrung und Technik.

Mit einem guten Co-Piloten an der Seite.

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